Artikel aus den Badischen Neuesten Nachrichten vom 19. Januar 2026
Salonorchester Baden-Baden begeistert auf Einladung des Lions-Club Ettlingen bei Konzert in der Schlossgartenhalle.
Ettlingen. Was hat man dem Löwen nicht alles an die Mähne gedichtet: Unbändig mutig sei er, der König der Tiere und Schrecken der Wälder, in Sommernächten brülle er wie eine Nachtigall, dichtete Shakespeare, und ihn zu wecken sei gefährlich, meinte Schiller.
Doch mit Humor, mit Witz und Eleganz hat man ihn eher selten in Verbindung gebracht. Das hat die Löwen des Lions-Club Ettlingen wohl auf die Idee gebracht, das Salonorchester Baden-Baden zu ihrem Neujahrskonzert in die Ettlinger
Schlossgartenhalle einzuladen und höchst selten dürfte ein solches sich wie ein zweites Feuerwerk ausnehmendes Neujahrskonzert bunter, fröhlicher, witziger, schlicht unterhaltsamer gewesen sein.
Und einem guten Zweck diente es obendrein auch: Nach Art der Löwen kommt der Erlös – die Schlossgartenhalle war ausverkauft – vollständig der Unterstützung von Projekten in Ettlingen wie des Fördervereins des Hospizes Arista zugute, oder solchen der Region wie etwa der Stiftung „Humor hilft Heilen“ für ClinicClowns in Kinderkrankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, um nur einen kleinen Ausschnitt an Hilfsaktionen zu geben, denen sich die „Lions“ all das Jahr hindurch widmen.
Die Musiker (und die Musikerin: Julia Richtberg, Violine) des Salonorchesters um den Stehgeiger Harald Paul – er nennt sich selbst so und dies mit berechtigtem Stolz – und den Arrangeur und Moderator Willi März sind ein Publikumsmagnet, und dies bereits seit mehr als 40 Jahren. Die Vorsilbe „Salon“ sei dabei richtig verstanden: Dieses Orchester ist die klingende Widerlegung des Vorurteils, dass Eleganz, Humor und Witz immer auch ein wenig oberflächlich seien.
Diese Musiker sind deshalb so erfolgreich mit ihrer „leichten Muse“, weil sie ihren Humor, auch ihre Ironie, auf einem profunden Musikertum gedeihen lassen, auf Spielfreude und auf technischer Brillanz. Und so werden tänzerische Melodien von Operettenkönigen wie dem Ungarn Emmerich Kálmán oder Musicalfürsten wie dem US-Amerikaner österreichisch-deutscher Herkunft Frederick Loewe zu Momenten reinsten Hörgenusses.
Das Programm dieses in seiner Art einzigartigen Orchesters ist weit gespannt. Es reicht von der Oper bis zur Filmmusik, vom „Holzschuhtanz“ aus Lortzings „Zar und Zimmermann“ bis zur Sehnsucht nach „Winnetou“ oder Klaus Doldingers Musik zum „Tatort“ und zu „Das Boot“.
Und wenn Naoko Nebl (als Gast; sie ist die Frau des Akkordeonisten Andreas Nebl) auf der Mundharmonika „Moon River“ anstimmt – Henry Mancinis goldener Ohrwurm aus „Frühstück bei Tiffany“ – dann entstehen auch innig empfundene, durchaus bewegende Momente.
Dass hier „ausgewachsene“ Virtuosen am Werk sind, erlebt man nicht nur mit Paul an der Violine (Sarasate, „Zigeunerweisen“), sondern auch mit der Cello-Bravour von Alexander Somov oder der ansteckenden Mitteilungsfreude des Klarinettisten Anton Hollich – mitreißender zu unterhalten ist schlichtweg unmöglich!
Text: Claus-Dieter Hanauer









